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Langjähriger Prozess mit klarer Linie

Neugestaltung des Hochchores im Mindener Dom vor dem Abschluss

Minden (DVM). Die Neugestaltung des Hochchores im Mindener Dom ist das Ergebnis eines mehrjährigen, sorgfältig abgestimmten Planungs- und Entscheidungsprozesses, an dem zahlreiche Akteure beteiligt waren. Mit der Altarsegnung am 13. Dezember 2025 durch den Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz findet ein Projekt seinen liturgischen und baulichen Abschluss, das in seinen Anfängen bis ins Jahr 2018 zurückreicht.

Im September 2018 berichtete der Vorsitzende des überkonfessionellen Dombau-Vereins Minden (DVM), Hans-Jürgen Amtage, erstmals öffentlich über die Priorisierung anstehender Projekte im Hochchor des Mindener Domes. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich nach enger Abstimmung mit dem Kirchenvorstand der Domgemeinde ab, dass insbesondere der Bereich um die Goldene Tafel – eines der auffälligsten Kunstwerke des Domes – einer grundlegenden Weiterentwicklung bedurfte. In der Folge wurden Gespräche mit Architektin Ines Gruß vom damaligen Architekturbüro Baumewerd aufgenommen, aus dem später das Büro Birker hervorging.

Finanzierungszusage vom Dombau-Verein Minden

Anfang 2019 sprach sich der Vorstand des Dombau-Vereins Minden in Abstimmung mit dem Kirchenvorstand für eine grundsätzliche Finanzierungszusage des Gesamtprojekts aus. Zugleich wurden mehrere Teilprojekte benannt, die zeitnah umgesetzt oder vorbereitet werden sollten. Dazu gehörten die Fortführung der Planung und die Realisation eines neuen Unterbaus für die Goldene Tafel, die Überlegungen zu einem modernen, dem Raum angepassten Chorgestühl, flexible Bestuhlungsformen, eine Neugestaltung des Ambos sowie perspektivisch auch die mögliche Verlagerung des Taufsteins. Von Beginn an wurde dabei betont, dass sämtliche Maßnahmen eng mit den zuständigen Stellen des Erzbistums Paderborn abzustimmen seien.

Der neue Hochchor im Mindener Dom. Foto: DVM/Amtage
Der neue Hochchor im Mindener Dom. Foto: DVM/Amtage

Einen wichtigen Meilenstein erreichten die Planungen Anfang 2020. Propst am Dom Roland Falkenhahn und der damalige Rendant der Gemeinde, Stephan Kurze, informierten darüber, dass der Kirchenvorstand die vom Domschatz-Ausschuss – bestehend aus Vertretern des Kirchenvorstands, des Dombau-Vereins und der Architektin – gemeinsam erarbeitete sogenannte „Variante 2.0“ nach intensiver interner Beratung freigegeben habe. Diese Variante entspricht im Kern der heutigen Gestaltung des Unterbaus.

Auf dieser Grundlage wurde ein Modell in Originalgröße gefertigt und direkt im Hochchor an der Goldenen Tafel aufgestellt, um die räumliche Wirkung beurteilen zu können. In diesem Zusammenhang machte Propst Falkenhahn deutlich, dass der Unterbau der Goldenen Tafel künftig auch als Altar für Werktagsmessen dienen solle. Zudem war von Beginn an die Integration einer Reliquie der heiligen Sophia von Minden aus dem 4. Jahrhundert – der Eisheiligen „Kalte Sophie“ – vorgesehen.

Zweijähriger Stillstand wegen Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie führte anschließend zu einem mehr als zweijährigen Stillstand der Planungen. Erst 2022 konnte der Prozess wieder aufgenommen werden. Vor dem Hintergrund der bereits zuvor zugesagten Komplettfinanzierung durch den Dombau-Verein schlug dessen Vorsitzender Hans-Jürgen Amtage vor, dass der Verein in der Ausführungsphase – in enger Abstimmung mit dem Kirchenvorstand – selbst als Auftraggeber auftreten solle. Ziel war es, Entscheidungswege zu verkürzen und die Abwicklung insbesondere bei Vergaben und Rechnungsstellungen zu beschleunigen. In jenem Jahr wurden die Planungen weiter konkretisiert.

Anfang 2023 kam es innerhalb eines kleinen Teils der Domgemeinde zu teils heftig geführten Diskussionen, insbesondere über die Nutzung des neuen Unterbaus als Hochaltar und die damit möglicherweise verbundenen liturgischen Formen. In diesem Zusammenhang wurde auch Kritik am Dombau-Verein laut. Der Vereinsvorstand stellte in Einzelgesprächen und bei Versammlungen der Kritiker jedoch wiederholt klar, dass er sich nicht in liturgische Fragen einmische. Seine Aufgabe bestehe im Erhalt, in der Förderung und in der behutsamen Weiterentwicklung von Dom und Domschatz sowie in der Einwerbung und Bereitstellung finanzieller Mittel. Zugleich bekräftigte der DVM seine bereits Jahre zuvor gegebene Finanzierungszusage.

Neue Dynamik erhielten die Planungen durch die Ausleihe des Volksaltars aus den 1970er-Jahren mit den sogenannten „Staufischen Platten“ für die große Barbarossa-Ausstellung in Münster. In diesem Zusammenhang wurde beschlossen, dass der Altar nicht in den Dom zurückkehren solle. Die historisch bedeutenden Staufischen Platten aus dem 13. Jahrhundert sollten – wie bereits seit fast zwei Jahrzehnten vorgesehen – aus konservatorischen Gründen dauerhaft in den Domschatz Minden überführt werden. In einer gemeinsamen Sitzung von Kirchenvorstand, Gemeindemitgliedern, Dombau-Verein und Architektin wurde daraufhin noch einmal ausdrücklich betont, dass eine grundlegende Neuordnung des Hochchores notwendig sei. Dazu zählten ein neuer Volksaltar, flexible Bestuhlungsvarianten für neue Gottesdienstformen sowie die Möglichkeit eines Taufbeckens im Hochchor bei gleichzeitigem Erhalt des bestehenden Taufsteins im Eingangsbereich des Domes. Mit dem neuen Taufstein will die Gemeinde auf veränderte Anforderungen bei Taufen reagieren.

Architektin Ines Gruß entwickelt Gestaltungsvariante

Architektin Ines Gruß entwickelte daraufhin die sogenannte „Gestaltungsvariante 5“. Diese sieht unter anderem einen Altar unter der Goldenen Tafel, einen neuen Volksaltar als Aufsatz auf dem neuen Taufbecken sowie unterschiedliche flexible Bestuhlungsvarianten vor. Sowohl im Domschatz-Ausschuss als auch seitens des Erzbistums Paderborn wurde diese Variante grundsätzlich positiv bewertet. Bei einem Gespräch im November 2023 in Paderborn wurde jedoch deutlich gemacht, dass ein sogenannter Aufsetzaltar für das Taufbecken nicht gewünscht sei und dass im Mindener Dom weiterhin alle Gottesdienstformen möglich bleiben müssten. Der Dombau-Verein bekräftigte daraufhin erneut seine umfassende Finanzierungszusage, auch für mögliche Anpassungen wie etwa einen mobilen Ambo.

Die Reliquienrolle mit den Gebeinen der hl. Sophia. Foto: DVM/Amtage
Die Reliquienrolle mit den Gebeinen der hl. Sophia. Foto: DVM/Amtage

In der Folge wurden alle Planungen vor allem durch den Vorstand des Dombau-Vereins Minden im engen Zusammenwirken mit der Architektin bis zur Ausführungsreife vorangetrieben. Dazu gehörte auch ein Baugrundgutachten für Teilbereiche des Hochchores, das insbesondere im Bereich des künftigen Standorts des neuen Taufbeckens sowie unter der Goldenen Tafel Verstärkungen des Untergrunds empfahl. Parallel wurde Architektin Gruß beauftragt, einen modernen Schrein für die Gebeine der heiligen Sophia zu entwerfen, der in den Unterbau der Goldenen Tafel integriert werden soll.

Es folgten die Vergaben für die neue Einzelbestuhlung an die Tischlerei Hiese in Porta Westfalica, die auch schon den neuen Domwächter-Bereich gefertigt hatte, auf Grundlage der Entwürfe von Ines Gruß sowie in der zweiten Jahreshälfte 2025 für das neue Chorgestühl. Hierfür wurde vom Heimatministerium des Landes Nordrhein-Westfalen und für andere Projekte eine finanzielle Unterstützung ins Aussicht gestellt. Der DVM-Vorstand beantragte daraufhin die Fördermittel mit einer umfangreichen Erläuterung.

Zudem wurden die Aufträge für den Unterbau der Goldenen Tafel und den neuen Taufstein an die Steinmetzbetriebe Dirks und Fiss nach enger Abstimmung zwischen Kirchenvorstand und DVM-Vorstand erteilt. Der zunächst vorgesehene Tragealtar für den neuen Taufstein wurde aus den Aufträgen herausgenommen. Hingegen wurden der neue Ambo sowie die neue Beleuchtung für den Hochchor in Auftrag gegeben.

Arbeiten beginnen im Mai 2025

Im Mai 2025 begannen schließlich die baulichen Arbeiten zur Neugestaltung des Hochchores. Diese erfolgten in sehr enger Abstimmung zwischen Architektin, Kirchenleitung, dem Vorstand des Dombau-Vereins und Handwerksbetrieben sowie unter Einbeziehung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) als zuständiger Denkmalbehörde.

Rückblickend zeigt sich, dass die beteiligten Gremien und Personen über Jahre hinweg eine klar strukturierte und abgestimmte Weiterentwicklung des Hochchores verfolgt haben. Die positive Rückendeckung des Erzbistums Paderborn sowie die finanzielle und organisatorische Unterstützung des Dombau-Vereins Minden, der das Projekt mit einer mittleren sechsstelligen Summe finanziert, bildeten dabei eine tragfähige Grundlage. Vor Kurzem ging auch der Zuwendungsbescheid des Heimatministeriums beim Dombau-Verein ein, das drei Projekte – darunter das neue Chorgestühl – mit insgesamt rund 63.000 Euro unterstützen wird. Mit der Altarsegnung am 13. Dezember findet dieser Prozess seinen sichtbaren und liturgischen Abschluss.

Wobei es Anfang Dezember einen kleinen Rückschlag gab: der vom Mindener Juwelier Laufer gefertigte Schrein für die Gebeine der hl. Sophie wurde bei der Feuervergoldung in einem Fachbetrieb in Süddeutschland im Bereich des Daches beschädigt. So wird die Reliquienrolle mit den Gebeinen, die jetzt bereits in der Nische im Unterbau der Goldenen Tafel eingelegt ist, erst in Kürze ihren endgültigen Platz in dem modernen Schrein finden.

Nach der Fertigstellung wird der Dombau-Verein Minden, der die Komplettfinanzierung der Maßnahme übernommen hat, das gesamte Paket der Neugestaltung des Hochchores als Schenkung an die Domgemeinde übergeben. Damit endet ein im Zusammenwirken aller Beteiligten außergewöhnliches Projekt, das die historische Substanz des Mindener Domes bewahrt und zugleich behutsam in die Zukunft führt.

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