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80 Jahre Dombau-Verein Minden

Der Wiederaufbau des Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten Mindener Domes stand 1946 bei der Gründung des überkonfessionellen Fördervereins Dombau-Verein Minden (DVM) im Mittelpunkt. Foto: DVM/Christian Schwier
Der Wiederaufbau des Ende des Zweiten Weltkriegs zerstörten Mindener Domes stand 1946 bei der Gründung des überkonfessionellen Fördervereins Dombau-Verein Minden (DVM) im Mittelpunkt. Foto: DVM/Christian Schwier

Der Dombau-Verein Minden blickt im Jahr 2026 auf 80 Jahre engagierte Arbeit für eines der bedeutendsten Bau- und Kulturdenkmäler Ostwestfalens zurück – und präsentiert sich dabei lebendig, aktiv und zukunftsorientiert wie nie zuvor. Gegründet am 28. Juni 1946, steht der überkonfessionelle Förderverein bis heute für bürgerschaftliches Engagement, Verantwortungsbewusstsein und den festen Willen, den Mindener Dom und seinen Schatz für kommende Generationen zu bewahren und weiterzuentwickeln.

Die Anfänge des Vereins liegen in einer Zeit großer Unsicherheit. Als sich die Gründungsmitglieder unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg zusammenfanden, war die Situation dramatisch: Beim letzten schweren Bombenangriff auf Minden am 28. März 1945 war die Innenstadt weitgehend zerstört worden. Vom über 1100 Jahre alten Dom St. Gorgonius ragte nur noch eine Ruine auf. Die Domgemeinde hatte ihre Kirche verloren, die Stadt ihr geistliches, kunsthistorisches und identitätsstiftendes Zentrum.

Mindener Dom – Abriss oder Mahnmal
Am 28. März 1945 wurden große Teile der Mindener Innenstadt und der 1000-jährige Dom durch Bomben zerstört. Foto: Sammlung Mindener Museum
Am 28. März 1945 wurden große Teile der Mindener Innenstadt und der 1000-jährige Dom durch Bomben zerstört. Foto: Mindener Museum | Sammlung Horst Grätz

Öffentliche Mittel für den Wiederaufbau waren kaum vorhanden. Zeitweise wurde sogar erwogen, den Dom abzureißen oder ihn als Kriegsmahnmal im zerstörten Zustand zu belassen – vergleichbar mit der Gedächtniskirche in Berlin. Diese Idee stieß in Minden jedoch auf entschiedenen Widerstand. Unabhängig von Konfessionen war der Wunsch in der Bevölkerung klar: Der Dom sollte wieder aufgebaut werden.

Aus diesem gesellschaftlichen Konsens heraus entstand der Dombau-Verein Minden. Erster Vorsitzender wurde der damalige Regierungspräsident Dr. Paul Zenz. Vertreter aus Rat und Verwaltung schlossen sich dem Verein ebenso an wie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger. Die Resonanz war groß, doch die Rahmenbedingungen blieben schwierig: Selbst die Veröffentlichung eines Dombau-Kalenders scheiterte zunächst an einem allgemeinen Druckverbot der britischen Besatzungsmacht. Parallel mussten dringend notwendige Sicherungsmaßnahmen am Dom finanziert werden.

Beharrlichkeit und Überzeugungskraft zahlten sich aus. Der Verein konnte private Spenden einwerben und Zuschüsse unter anderem vom Hochbauamt, von staatlichen Stellen und sogar von den britischen Behörden erhalten. Bereits 1948 begann der Wiederaufbau, Anfang März 1950 wurde das Richtfest für den romanischen Westbau gefeiert und die Glocken geweiht – ein bewegender Moment, den tausende Mindenerinnen und Mindener miterlebten.

Werner March war verantwortlicher Architekt

Verantwortlicher Architekt war Werner March, neben Albert Speer einer der Hauptarchitekten unter Adolf Hitler. Er war auch erster Geschäftsführer des Dombau-Vereins. Der renommierte Architekt, der unter anderem das Berliner Olympiastadion entworfen hatte, prägte mit seiner Arbeit nicht nur den Wiederaufbau des Domes, sondern auch das historische Rathaus und weitere bedeutende Gebäude der Stadt. Den Bauausschuss leitete der ehemalige Oberbaurat Hans Gelderblom, dessen ehrenamtliches Engagement 1964 mit dem ersten Ehrenring der Stadt Minden gewürdigt wurde.

Ohne großes Aufsehen, aber mit klarer Zielsetzung arbeitete der Dombau-Verein weiter am vollständigen Wiederaufbau. Lotterien, Fotowettbewerbe und Spendenaktionen brachten erhebliche Mittel ein. Stadt, Kreis und das Erzbistum Paderborn unterstützten das Projekt trotz eigener Kriegslasten. 1957 konnte der Dom feierlich wiedergeweiht werden. Die Domgemeinde kehrte aus ihrer provisorischen Bleibe in der Johanniskirche – dem heutigen Kulturzentrum BÜZ Minden – zurück, und Minden gewann sein geistliches und kulturelles Herz zurück.

Verlässlicher Partner für Erhalt und Pflege des Domes und des Domschatzes

In den Jahrzehnten danach blieb der Dombau-Verein ein verlässlicher Partner für Erhalt und Pflege des Domes. Restaurierungen, ein neuer Innenanstrich, die Bestuhlung, der Bau der neuen Orgel 1996 sowie zahlreiche weitere Maßnahmen wurden gefördert. Zum Stadtjubiläum „1200 Jahre Minden“ schenkte der Verein 1998 das Bronzemodell der Domfreiheit, das heute auf dem Kleinen Domhof steht.

Eine prägende Rolle spielte dabei über viele Jahre der Architekt Werner Rösener, damaliger Geschäftsführer des Vereins. Auf seine Initiative geht auch die Replik der Goldenen Tafel im Dom zurück. Das Original des spätmittelalterlichen Flügelaltars befindet sich heute im Bode-Museum in Berlin.

Seit 2017 hat der Dombau-Verein sein Aufgabenfeld deutlich erweitert. Unter dem Leitmotiv „Dom zu Minden und Domschatz Minden – erhalten, gestalten und fördern“ betreibt der Verein die neugestaltete Domschatzkammer am Kleinen Domhof als Museum von europäischem Rang. Mit einem Investitionsvolumen von über 2,3 Millionen Euro, zu rund 95 Prozent aus Vereinsmitteln, stellt das Projekt „Domschatz Minden“ die bislang größte Einzelinvestition in der Vereinsgeschichte dar.

Führungen, Konzerte, Lesungen, Vorträge und mehr
Der Dombau-Verein Minden betreibt seit 2017 den Domschatz Minden als Museum. Foto: PR
Der Dombau-Verein Minden betreibt seit 2017 den Domschatz Minden als Museum. Foto: PR

Der Förderverein organisiert heute Führungen, Konzerte, Vorträge und Ausstellungen, engagiert sich in der kulturellen Bildung und betreibt gemeinsam mit dem Evangelischer Kirchenkreis Minden das Pilgerbüro Sigwardsweg. Pilgerinnen und Pilger erhalten dort kompetente Informationen zu einem der bedeutendsten historischen Pilgerwege der Region.

Jüngstes Großprojekt ist die Neugestaltung des Hochchores im Mindener Dom. Erstmals trat der Dombau-Verein dabei selbst als Bauherr auf und investierte rund 500.000 Euro nach nahezu achtjähriger Planungsphase. Die Goldene Tafel erhielt einen neuen Unterbau aus Granit mit einer Nische für den Schrein der Heiligen Sophia von Minden, ergänzt durch einen neuen Taufstein, ein neues Chorgestühl und weitere liturgische Elemente. Im Dezember segnete der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz die neuen Einbauten im Rahmen eines Pontifikalamtes.

Getragen wird all dies vom Engagement des Vorstandes um den Vorsitzenden Hans-Jürgen Amtage, den stellvertretenden Vorsitzenden Andreas Kresse, Geschäftsführerin Annemarie Lux und Schatzmeister Hans-Jürgen Trakies. In enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand der Domgemeinde sowie mit der Minden Marketing GmbH wird der Dom als Glaubens-, Kultur- und Tourismusort nachhaltig gestärkt. Unterstützt wird der Vorstand von ehrenamtlichen Dom- und Domschatzwächterinnen und -wächtern, die Besucherinnen und Besucher fachkundig begleiten.

WestLotto ist eine wichtige finanzielle Säule

Eine zentrale Säule der Finanzierung sind seit rund fünf Jahrzehnten die Ausschüttungen von WestLotto. Gemeinsam mit den Dombau-Vereinen in Köln, Aachen, Xanten, Essen, Soest und Wesel zählt der Dombau-Verein Minden zu den Destinatären der staatlichen Lotteriegesellschaft. Diese Förderung, die in 2024 bei rund 3,3 Millionen Euro für alle Dombauvereine lag, ermöglicht kontinuierlich den Erhalt eines einzigartigen kulturellen Erbes. Größter Empfänger aus den Lottomitteln ist der Zentral-Dombau-Verein Köln.

Nach 80 Jahren zeigt sich der Dombau-Verein Minden damit als kraftvolle, zukunftsgewandte Institution – fest verwurzelt in der Stadtgesellschaft, offen für neue Aufgaben und getragen von der Überzeugung, dass Engagement, Verantwortung und Gemeinschaft auch künftig den Dom und seinen Schatz lebendig halten werden.


(c) Text: Hans-Jürgen Amtage
(c) Historische Fotos: Wir danken dem Mindener Museum mit seiner Foto-Sammlung Horst Grätz, die historischen Fotos verwenden zu dürfen.